Mittwoch, 28. Juni 2017

Rezension „Im Herzen der Zorn“

Zahn um Zahn

Meine zweite Juni-Rezension 2017



Selbstjustiz ist aus gutem Grund verboten. Doch was wäre, wenn übernatürliche Wesen kämen, um die herzlosen Menschen für ihre unmoralischen Taten zu bestrafen? Wäre die Welt ein besserer Ort oder würde dies eine Kette an Racheakten hervorrufen, aus der mehr Leid als Erleichterung entsteht? Genau damit beschäftigt sich „Im Herzen der Zorn“ von Elizabeth Miles, dem zweiten Band der Furien-Trilogie aus dem Jahr 2014. Im Fokus des Jugendromans mit Urban-Fantasy, steht eine amerikanische Kleinstadt im Bundesstaat Maine. Dort beweisen die Rachegöttinnen, dass kein Unglück rein zufällig geschieht.


Inhalt
Nach Chases Tod ist es für die Furien Ali, Meg und Ty an der Zeit sich neue Opfer zu suchen. Da kommt Zach, der vor Kurzem auf eine Privatschule gewechselt hat, genau richtig. Schließlich hat er seine inzwischen Exfreundin mehrmals betrogen und genießt lieber seinen Ruf als Schwarm aller Mädchen, anstatt Reue zu zeigen.
Emily dagegen ist der Rache der Erinnyen nur knapp entkommen, indem sie einen Bund mit ihnen eingegangen ist, der verhindert, dass sie jemandem die Wahrheit über ihr Schicksal erzählen darf. Darunter leidet ihr Verhältnis zu ihren besten Freunden Gabby und JD, denn sie kann ihnen nicht erklären, was sie so stark belastet. Nur Drea Feiffer, die Außenseiterin der Schule, scheint zu begreifen, was mit Emily passiert.
Skylar McVoy ist die neue Schülerin, die, nachdem ihre Mutter ins Gefängnis musste, bei ihrer Tante Nora in Ascension unterkommt. Für sie ist der Ortswechsel auch ein Neuanfang, denn sie hütet ein dunkles Geheimnis. Doch vertuschte Fehler rufen in dieser Stadt unmittelbar die Rachegöttinnen auf den Plan.

Cover
Das Cover ähnelt dem des ersten Bandes sehr, da die Zusammengehörigkeit natürlich erkennbar sein soll. Die einzigen Unterschiede sind die Farbe des längsgestreiften Hintergrundes, der hier rosa und pink ist und die junge Frau im Vordergrund. Zwar gleichen sich Make-Up und die Teetasse, die auf ihrer linken Handfläche liegt, während sie in ihrer rechten den Teelöffel hält, sie trägt jedoch keine Handschuhe und auch ihr Kleid ist anders. Dieses Mal ist es schwarz mit weißem Blumenmotiv und weißen Ärmeln ab den Ellbogen, sowie gleichfarbiger Brustapplikation. Ihre dunkelblonden Haare sind zu einem strammen, aber fransigen Dutt gebunden und sie neigt den Kopf leicht nach links unten, sodass man an ihrem rechten Ohr einen hängenden Perlenohrring erkennen kann.
Auch dieses Cover gefällt mir sehr gut, wenn auch das erste nach wie vor mein persönlicher Favorit ist.

Kritik
Die Fortsetzung beginnt etwa einen Monat nach dem Ende des ersten Teils. Die Struktur des Dreiakters, Tempus und die Erzählperspektive behält Miles bei, genauso wie die Seitenzahl von fast 400. Wieder einmal beginnt das Jugendbuch mit einem fesselnden Prolog, der mich sofort neugierig auf den Rest machte.
Da dem personalen Erzähler, der in jedem Kapitel zwischen Emily und Chase wechselte, durch Chases Tod nun ein Charakter fehlt, wird dieser Platz von der neuen Protagonistin Skylar eingenommen. Auch sie ist, typisch für diese Reihe, keine durchweg gute oder böse Figur. Ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihre ältere Schwester Mamas großer Stolz, während sie mit Spott und Hohn groß geworden ist, weil sie nicht den Anforderungen von Schönheitswettbewerben entsprach. Die Zuneigung ihrer Mutter hängt nur von ihrer Optik ab, da sind mangelndes Selbstbewusstsein und oberflächliches Denken Programm. Skylar hatte also eine schlechte Kindheit und ist durchaus zu bemitleiden. Andererseits offenbart sich mit der Zeit immer mehr ihr falscher Charakter. Ihr Wunsch, von ihrem Umfeld beachtet und geliebt zu werden, konnte ich noch nachvollziehen. Doch dass sie dafür ihr Umfeld belügt und betrügt, machte sie wahnsinnig unsympathisch. Tatsächlich sogar so sehr, dass ich mir Chase zurück gewünscht habe oder dass ihr Erzählstrang noch vor Ende der Trilogie unterbrochen wird, weil ich sie einfach nicht ertragen konnte.
Im Gegensatz zu ihr hat sich Emily stark positiv verändert. Man erkennt sie schon im ersten Kapitel kaum wieder. Die Oberflächlichkeit ist vollkommen verschwunden, sie denkt nun rationaler und ist ihrer Umwelt gegenüber skeptischer. Man könnte fast sagen die Furien haben sie zu einem besseren Menschen werden lassen, da sie nun ihre Mitschüler nicht mehr nach ihrer Optik beurteilt. Jedoch leidet sie sehr unter dem Bann. Sie entwickelt verständlicherweise paranoide Züge, nimmt ab und schminkt sich nicht mehr. Ihre Lebensfreude wurde geraubt, was unter anderem auch daran liegt, dass sie durch ihren Charakterwandel mit ihrer alten Clique nicht mehr auf einer Wellenlänge ist und sich immer weiter distanziert, während jemand anderes versucht dort ihren Platz einzunehmen. Allerdings hat sie auch neue Freunde gefunden: Drea Feiffer, eine Mitschülerin, die zwar als Außenseiterin gilt, jedoch von den Furien weiß und Emily dabei unterstützt, mehr über diese in Erfahrung zu bringen, um sie vernichten zu können. Dazu kommt noch Dreas bester Freund Colin Robertson, den allerdings alle Crow nennen, mit seiner Garagenband. Dass Em plötzlich mit den „Uncoolen“ Zeit verbringt und bemerkt, dass diese weitaus interessantere Persönlichkeiten sind als die klassischen Mitläufer, hat mir besonders gut gefallen. Inzwischen hab ich mich mit Emily regelrecht angefreundet und sie hat sogar den Platz meiner Lieblingsfigur eingenommen. Was mich jedoch gestört hat, war die Tatsache, dass Miles hier eine kleine Dreiecksbeziehung mit eingebunden hat. Zuerst war Em in Gabbys Freund Zach verliebt, dann in JD und nun gibt es noch jemanden, der bei ihr für Schmetterlinge im Bauch sorgt. Für mich war das Ganze zu erzwungen und schlägt zu tief in die Kerbe des typischen Jugendbuches. Glücklicherweise ist der Fokus mehr auf andere Aspekte ausgelegt, sodass nicht jedes Kapitel von Emily ihr Liebeschaos beleuchtet.
Atmosphärisch findet ebenfalls eine Veränderung statt. War es im Band eins noch tiefster Winter, beginnt nun langsam der Schnee zu schmelzen und die Temperaturen steigen. Und so wie der Boden unter dem Schnee erkennbar wird, treten auch die Furien häufiger auf. Die Phasen der Erholung verkürzen sich. Der scheinbar normale Alltag existiert kaum noch. Miles arbeitet auf einen großen Showdown hin, der „Im Herzen der Zorn“ von Seite zu Seite spannender werden lässt.
Das große Finale im dritten Akt ist dann jedoch enttäuschend knapp. Es gibt mal mehr und mal weniger unerwartete Wendungen, die Furien spielen nur peripher eine Rolle und letztendlich gibt es keine große Offenbarung. Allerdings fordern die Furien auch dieses Mal wieder ein Opfer und es ist vermutlich nicht das, von dem der Leser ausgeht. Ich würde es also eher interessant als spannend nennen. Und den allerletzten Satz im Buch, also das Ende von Kapitel 29, konnte man spätestens ab dem Beginn des dritten Aktes erahnen. Deswegen war dieses Ende schwächer als das des Vorgängers. Trotzdem freue ich mich auf den letzten Band „Im Herzen die Gier“ und werde noch heute damit anfangen.

Fazit
„Im Herzen der Zorn“ ist zweifelsfrei ein gutes Jugendbuch mit Urban Fantasy, dessen Seiten ich jeden Tag aufs Neue immer wieder gerne aufgeschlagen habe. Es ist zwar nicht perfekt, denn Skylar und Emilys Liebesleben konnten mich nicht überzeugen, trotzdem hat mich die Geschichte gefesselt und neugierig auf die Fortsetzung gemacht. Einige Aspekte sind im zweiten Band besser gelungen als im ersten, ein paar mehr jedoch auch etwas schlechter, beispielsweise das Ende. Deswegen vergebe ich dieses Mal ein Herz weniger, also drei von fünf.

♥♥♥