Donnerstag, 8. Juni 2017

Interview: Norma Feye

Heute mit der Autorin:  Norma Feye



Hallo liebe Leserin/lieber Leser. Ich freue mich, dass du dich für meine Bücher und mich interesseierst. Ich bin Norma Feye, Jahrgang 1975, und komme aus dem Herzen des Ruhrgebiets (und das nicht nur geografisch). Mittlerweile hat mich die Liebe etwas weiter an den Rand verschlagen, und ich lebe mit meinem Mann an der Grenze zum Münsterland.​
​Ich bin mit Geschichten aufgewachsen, mit denen, die meine Eltern mir erzählten, genauso wie mit denen, die ich mir schon als kleines Kind selbst ausdachte. Ich hatte immer schon eine übersprudelnde Fantasie, und irgendwie war es ein ganz natürlicher Vorgang, dass ich irgendwann anfing, die Geschichten in meinem Kopf aufzuschreiben. Es fing mit "Dhelian - die andere Wirklichkeit", einem Fantasy-Krimi, an, ging weiter mit "Ghetto 7", einer Dystopie, und mit "Nachtwanderer", einem Vampirroman. Außerdem habe ich einige Teile der O.R.I.O.N. SpaceOpera verfasst, "Papageienbande", "Sterbende Sonne" und "Himmelfahrt", und habe gerade ein Projekt für Bastei Entertainment beendet, das in wenigen Wochen erscheint. Einige Beiträge zu Anthologien gibt es von mir auch noch.
Neben dem Schreiben habe ich einen aufregenden, gelegentlich sehr actionreichen Beruf, der mir zum ​Glück viel Zeit lässt, mich mit meinen Schreibprojekten zu beschäftigen. Außerdem reise ich, so oft und so viel ich nur kann, denn ich bin extrem neugierig auf unsere Welt, und ich liebe es, wenn mich exotische Orte zu neuen Stories inspirieren.




Bereits erschienen...








Ich habe der lieben Norma ein paar Fragen gestellt! Lest hier ihre Antworten! 



Mrs.BookNerd: 
Fangen wir mit einer einfachen Frage an. Wie bist du zum schreiben gekommen? Gab es ein bestimmtes Ereignis?
Norma Feye:
Das Schreiben hat sich ganz selbstverständlich in mein Leben "geschlichen". Irgendwann habe ich einfach angefangen, meine Ideen aufzuschreiben, und mit ungefähr 13 Jahren ​hatte ich meinen ersten Roman fertig. Den gibt es mittlerweile zwar nicht mehr (zum Glück, denn er war richtig schlecht), aber er hat quasi "die Schleusen geöffnet" und mir gezeigt, dass ich einfach nur anfangen muss, wenn mir der Sinn nach einem neuen Roman steht.
Mrs.BookNerd: 
Schreibst du deine Bücher in einem Rutsch oder hast du immer so Phasen wann du schreibst?
Norma Feye:
Ich habe definitiv so meine Phasen. ;-) Wenn mich eine Idee nicht mehr loslässt, fange ich an zu schreiben, und höre meistens nicht wieder auf, bis mein Kopf leer ist. Danach folgt dann oft eine Pause​​. Mein Schreibrhythmus richtet sich aber auch oft nach meinen Abgabeterminen, besonders dann, wenn die deadline immer näher rückt​, und mich eine gewisse Torschlusspanik beschleicht. Diese Panik hatte ich besonders bei meinen Romanen für die O.R.I.O.N. SpaceOpera, denn in einer Serie gibt es zeitlich nur wenig Luft nach oben, weil ja ein anderer Autor schon darauf wartet, den nächsten Teil zu schreiben.
Mrs.BookNerd: 
Kannst du uns das Gefühl beschreiben das du hattest als du dein erstes Buch beendet hast?
Norma Feye:
Nein, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, aber dafür an das unglaubliche Gefühl, als ich mein erstes Buch, meinen Fantasy-Krimi "Dhelian - die andere Wirklichkeit", fertig gedruckt​ ​in der Hand hielt. da wurden mir die Knie weich, ich hatte Herzklopfen, und wusste nicht, ob ich lieber weinen oder jubeln sollte. ​
Mrs.BookNerd: 
Dein Buch „Ghetto 7“ spielt in einem Gefängnis! Wie bist du auf die Idee gekommen?
Norma Feye:
Daran ist Ian schuld, einer der Protagonisten von "Ghetto 7". Eines Tages war er einfach in meinem Kopf, stellte sich mir vor und sagte, er hätte einen Mord begangen. Tja, da musste ich ihn ja irgendwo unterbringen, und ein Gefängnis erschien mir passend. Außerdem hatte ich eine Weile davor den Film "Die Klapperschlange" gesehen, der ja auch in einem Gefängnis spielt​. Ich denke, das hat mich ebenfalls beeinflusst.
Mrs.BookNerd:  
Und wieso der Titel „Ghetto 7“?
Norma Feye:
Der Arbeitstitel war "Sams Ghetto", benannt nach der Protagonistin, aber als das Buch soweit war, dass meine Agentin es bei Verlagen vorstellen konnte, erschien mir dieser Titel nicht dramatisch genug. Außerdem impliziert eine Nummerierung, dass es noch mehr von diesen Gefängnissen gibt, und das verleiht der ganzen Sache zusätzlich noch etwas Bedrückendes.​
Mrs.BookNerd: 
In deinem Buch „Nachtwanderer“ geht es um Vampire.Wieso gerade Vampire?
Norma Feye:
Ich mag Vampirgeschichten, das war schon immer so. Als ich das Konzept für die "Nachtwanderer​​"​ ​entwickelt habe, das war irgendwann in 2002, war der Megaerfolg von Vampirgeschichten noch nicht mal zu erahnen. Vampire fristeten zu der Zeit noch eine Art Nischendasein​, und das hat mich gereizt. Dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade ein regelrechter Vampir-Hype stattfinden würde, konnte ich mir damals nicht mal vorstellen.
Mrs.BookNerd: 
Und wie bist du auf die Namen Nuála und Cedric gekommen?
Norma Feye:
​Bei Cedric war es ähnlich wie bei Ian aus "Ghetto 7", irgendwann war er einfach da, stellte sich vor und erwartete, dass ich über ihn schrieb. Es passiert mir oft, dass mir aus heiterem Himmel ein Name einfällt, hinter dem sich auch gleich ein kompletter Charakter verbirgt. Mit Nuála​ ​war es etwas schwieriger. Da das Buch in Dublin spielt und auch viele Bezüge zur irischen Kultur hat, wollte ich einen schönen, leicht zu merkenden und auch angenehm zu lesenden Namen. Die originale Trägerin, Fionnuala, war in der irischen Mythologie die Tochter des Meeresgottes Lir. Das passte prima zu meiner Pr​otagonistin. Wer das Buch liest und ihren Vater kennenlernt, weiß, was ich meine.
Mrs.BookNerd: 
Deine Bücher spielen an verschiedenen Orten. Verbindest du etwas mit ihnen?
Norma Feye:
Die fiktiven Schauplätze, wie in "Dhelian" oder "Ghetto 7", habe ich so entworfen, dass sie eine perfekte Szenerie für die Handlung bilden​, aber sie haben für mich darüber hinaus keine besondere Bedeutung. In der Welt der O.R.I.O.N.-Serie war ich sogar nur Gast, denn sie wurde von zwei anderen, sehr fantasievollen Menschen erdacht.
Bei den Nachtwanderern ist das anders. Ich habe eine sehr enge Bindung zu Irland im Allgemeinen, und zu Dublin im Besonderen. Ich habe viel Zeit dort verbracht und mein Herz schon früh an die Grüne Insel verloren. Bis auf vier Orte, die ich mir ausgedacht habe, könnte man mit dem Buch in der Hand durch Dublin, Cashel und über die Cliffs of Moher wandern und würde alle Schauplätze wie beschrieben oder so ähnlich tatsächlich vorfinden.
Ich verwende gerne Schauplätze, die ich selber kenne. Für mein nächstes Buch, das bald bei Bastei Entertainment erscheint, habe ich London gewählt, eine Stadt, mit der ich viele schöne Erinnerungen verbinde. Ein weiteres Projekt, das gerade am Anfang der Planung steht, wird Auckland in Neuseeland als Schauplatz haben.
Mrs.BookNerd: 
In deinen Büchern kommen Jobs vor wie Polizisten oder Sanitäter. Wieso gerade diese Jobs?
Norma Feye:
​Der Polizeijob meiner Protagonistin Sam bot sich aus der Handlung heraus einfach an.​ Aber man darf auf keinen Fall die Polizei in "Ghetto 7" mit der, ​die wir kennen, vergleichen.​ ​​Die Polizei dort ist eine mächtige, unantastbare Behörde, straff organisiert, mit Zugang zu allen nur erdenklichen Informationen und Waffen, niemandem Rechenschaft schuldig, weil sie selber das Gesetz​ darstellt, und indoktriniert mit einer gnadenlosen Ideologie. Vor diesem Hintergrund könnte die Konfrontation mit den Zuständen im Ghetto für Sam kaum härter sein.
Nuála und Cedric in "Nachtwanderer" sind Sanitäter, weil die Nachtschichten, und natürlich der Umgang mit Blut, zu einem Geschöpf der Nacht wie Cedric einfach perfekt passen. Er macht im Buch auch irgendwann einen entsprechenden Spruch. Außerdem gibt es im Verlauf der Handlung die eine oder andere Situation, in der eine medizinische Ausbildung durchaus nützlich ist.
Mrs.BookNerd:
Wieso gerade diese Genre?
Norma Feye:
Ich schreibe gerne Bücher, die ich selbst auch bevorzugt lesen würde. Dystopien, SciFi und moderne, realitätsnahe​ ​Fantasy (eigentlich ein Widerspruch in sich, oder?) lese ich sehr gerne. Inzwischen wage ich mich​ zwar auch in andere Genres, aber dort fühle ich mich nach wie vor am wohlsten.
Mrs.BookNerd:
Kommst du trotzdem nebenbei zum lesen? was war das letzte Buch was du verschlungen hast? 
Norma Feye:
Mein letztes Buch war "Cell 7" von Kerry Drewery, das hatte ich in zwei Tagen durch. Ich fand es erschreckend, dass das, was sie schreibt, in der heutigen Medienwelt gar nicht mal so abwegig erscheint​​.
Ich lese gern und viel, solange ich nicht selbst schreibe. Sobald ich mich mit meiner eigenen Geschichte beschäftige, kann ich mich nicht mehr auf die Bücher anderer Autoren konzentrieren, ohne bei meinem eigenen den Faden zu verlieren. Entweder Lesen oder Schreiben, beides zusammen geht nicht.​

Mrs.BookNerd:
Gibt es einen Autor/eine Autorin den/die du als Vorbild hast? 
Norma Feye:
Niemanden speziellen. Ich versuche lieber, mich gelegentlich von Stilen anderer Autoren beeinflussen zu lassen, z.B. um etwas für mich Neues auszuprobieren.​​ "Schatten der Verdammnis" von Steve Alten hat sich z.B. extrem auf den Stil ausgewirkt, in dem ich die "Nachtwanderer" geschrieben​ ​habe​.
Mrs.BookNerd:
Wo und wann kannst du am besten schreiben?
Norma Feye:
Ich kann immer und überall​ ​schreiben​: Zuhause, unterwegs (in Cafés, am Strand, im Zug oder Flugzeug ect.), während der Bereitschaftszeit auf der Arbeit, morgens um vier genauso wie tagsüber oder um Mitternacht. Ich habe einen gemütlichen Eckschreibtisch, an dem ich viel Zeit verbringe, aber ich schreibe auch gerne mit dem Laptop auf dem Balkon oder auf der Couch.
Mrs.BookNerd:
Wie sieht dein Alltag als Autorin so aus?
Norma Feye:
Ob man das bei mir "Alltag" nennen kann, wage ich zu bezweifeln. Alltag setzt eine gewisse Regelmäßigkeit und Gewohnheit voraus, und bei mir gibt es weder das eine noch das andere. Da bin ich ziemlich chaotisch veranlagt. Das Einzige, was immer passiert, ist, dass ich alles um mich herum vergesse, wenn ich schreibe. Ich esse nicht, trinke kaum, gehe nicht ans Telefon oder an die Tür​​, und muss sogar daran erinnert werden, irgedwann ins Bett zu gehen​. Dann folgen wieder Tage, an denen ich gar nicht schreibe, weil ich mich nicht aufraffen kann. Wie schon gesagt, Chaos pur.
Mrs.BookNerd:
Welche Buchpläne hast du für die Zukunft?
Norma Feye:
Bei Bastei Entertainment kommt in den nächsten Wochen ein Vampirromance-Roman von mir heraus. "Ghetto 7" steht in den Startlöchern zur Wiederveröffentlichung, ebenfalls als eBook.
Eine weitere Vampirromanze vor historischem Hintergrund, "Gefrorenes Blut", ist ​in Vorbereitung.
Gerade erschienen ist mein dritter Beitrag zur O.R.I.O.N. Space Opera, "Himmelfahrt".
Darüber hinaus arbeite ich an mehreren Exposes, die irgendwann demnächst an meine Agentin gehen, und hoffentlich vor den Augen eines Verlegers Gnade finden. Darunter eine spannende Lovestory in Neuseeland, Fantasy um die Ergründung eines tragischen Fmiliengeheimnisses, eine weitere Dystopie, und eine Dilogie über vier Vampirschwestern.

Die Autorin ganz Privat:

1.Lieblingsbuch:Die Gilde der schwarzen Magier,​ Das Geheimnis von Askir/Die Götterkriege, Lagune, Der letzte Tag der Schöpfung, Schatten der Verdammnis
2.Lieblingsautor: Canavan, Alten, Schwartz, Heitz​
3.Lieblingsgenre: Dystopien, Dark Fantasy, SciFi​, und alle Mischformen daraus
4.Lieblingsfilm:Avatar (jaja, ich weiß, Klischee), Machine Gun Preacher, Matrix 1, Extracted​ 

5.Lieblingsserie: Heroes, Battlestar Galactica, Grimm, Caprica
6.Buch oder e-book?:​eBook​ 
7.Lieblingstier?: Schmetterlinge, Kaninchen​

8.Kaffee oder Tee?:Tee! (Kaffee ist Bääh!)​ 


DAS SCHLUSSWORT DER AUTORIN! 

"Bücher sind Tore in andere Welten"
Ich weiß nicht, von wem dieses (mittlerweile doch ziemlich abgegriffene) Zitat​ ​stammt, aber es beschreibt perfekt, was Bücher für mich bedeuten. Selbst ein solches Tor zu erschaffen und es damit meinen Lesern zu ermöglichen, eine Welt zu betreten, in der sie für eine Weile die Realität vergessen können,​ ist mir eine Freude und Ehre zugleich.
Ich danke dir, liebe Leserin/lieber Leser, dass du bis hierher durchgehalten und meine Antworten verfolgt hast. Denn auch, wenn wir Schreiberlinge oft sonderbar und eigenbrötlerisch erscheinen, wenn wir uns in unsere stillen Kämmerlein einschließen, um für euch Geschichten zu erschaffen, so ist es doch der Austausch mit euch, den Lesern, der ein Buch für mich erst vollständig macht. Ich hoffe, ihr gönnt mir einige Kommentare, ich freue mich schon darauf.