Donnerstag, 3. Mai 2018

Rezension „Sturm der Schwerter“

Unser ist der Zorn

Meine April-Rezension 2018




„Das Lied von Eis und Feuer“, ist das bekannteste Werk des US-amerikanischen Autors George R. R. Martin und wird es zweifelsfrei auch bleiben. Man findet seine Saga aktuell in jeder deutschen Buchhandlung und erlebt, vor allem dank der Serie „Game of Thrones“, gerade den ganz großen Hype. Doch die Buchvorlage braucht sich nicht vor der HBO-Serie zu verstecken, denn sie hat einige Literaturpreise verliehen bekommen. Darunter wären ganze vier Mal der „Locus Award“ für den besten Roman, sowie der „Deutsche Phantastik Preis“ in der Kategorie bester internationaler Roman für den originalen fünften Band, der in Deutschland Band neun und zehn entspricht. Auch das erste Hörbuch konnte 2017 den goldenen Preis des „Hörbuch-Awards“ ergattern, obwohl dieses die Gemüter spaltet, da einige Namen dort deutlich anders ausgesprochen werden als in der Serie.
Diesen Monat habe ich den fünften Band „Sturm der Schwerter“ aus dem Jahr 2000 gelesen.


Inhalt

Der Krieg um den Eisernen Thron geht weiter. Catelyn Stark lässt den auf Schnellwasser gefangenen Jaime Lennister frei und schickt ihn im Geleit von Brienne von Tarth nach Königsmund zurück, um ihn dort gegen ihre Töchter austauschen zu lassen. Sie weiß, dass sie damit den Zorn ihres ältesten Sohnes Robb auf sich ziehen wird, aber sie weiß noch nicht, dass auch er ihr etwas zu beichten hat.
Für Daenerys Targaryen erwies sich die Handelsstadt Qarth als nutzlos für ihre Pläne. Mithilfe von Magister Illyrio segelt sie mit ihrem Khalasar zurück nach Pentos, nachdem sie in Qarth knapp einem Attentat entgehen konnte. Ihr ist klar, dass ihre Anhänger zu wenige sind, um mit ihnen den Eisernen Thron zu erobern, doch als Jorah Mormont ihr von der Existenz der Sklavenarmeen erzählt, keimt in ihr neue Hoffnung auf.

Cover
Über die Parallelen in jedem Cover habe ich mich wirklich zu genüge ausgelassen, deswegen wird es ab jetzt wirklich nur kurz und knapp beschrieben. Im Fokus steht dieses Mal das Haus Baratheon, dessen Wappen den gekrönten, aufgebäumten und nach links zugewendeten Hirsch zeigt. Über dem orangefarbenen Schild steht auf dem Banner „Unser ist der Zorn“, der Wahlspruch ebendieses Hauses. Der Helm ist bronzefarben und wird von zwei langen und leicht gebogenen Hörnern geziert. Außerdem hat er einen sehr hoch liegenden und schmalen Sehschlitz, sowie ein hochklappbares Visier, welches an eine Schnauze erinnert und von acht schmalen Längsschlitzen durchzogen ist. Ansonsten ist alles wie zuvor gewohnt.

Kritik
„Sturm der Schwerter“ legt, im Vergleich zu den Vorgängern, mit über 700 Seiten erneut eine große Schippe an Lesestunden drauf. Tempus und Erzählperspektive bleibt wie gehabt, doch da dieser Band der ersten Hälfte des Originalbandes drei entspricht, kommen zwei neue Charaktere als Erzähler hinzu, die damit nun offiziell auch Protagonisten sind, nämlich Jaime Lennister, auf den ich später noch etwas genauer eingehen werde, und Samwell Tarly.
Bevor die Geschichte jedoch beginnt, findet sich „Eine Anmerkung zur Chronologie“ von Martin. Dort erklärt er, kurz gefasst, dass die Kapitel in seiner Saga, in unterschiedlich langen Zeiträumen spielen, sodass eine präzise chronologische Reihenfolge nicht gegeben ist, da sich eben manche Erzählstränge überschneiden. Beispielsweise erstreckt sich der Zeitraum bei einigen Kapiteln in wenige Minuten, während in anderen möglicherweise mehrere Monate vergehen.
Anschließend folgt der Prolog, der als einziger Teil der Geschichte von einem Nebencharakter erzählt wird. Dieser ist Chett, ein junger Mann, der der Nachtwache angehört. Mit seiner Hilfe erfährt der Leser, was sich im Lager von Jeor Mormont ereignet, nachdem Jon Schnee dieses verlassen hat. Durch diesen Prolog schnellt der Spannungsbogen schon sehr früh nach oben und bietet einen erstklassigen Einstieg in die Saga.
Im ersten Kapitel tritt dann direkt der erste neue Protagonist auf: Jaime. Er gehört zum Großen Haus Lennister und ist der älteste Sohn von Lord Tywin Lennister, sowie der Bruder von Tyrion, der bereits seit dem ersten Band ein Protagonist ist. Außerdem ist er Lord Kommandant der Königsgarde und zu Beginn des Kapitels noch ein Gefangener von Robb Stark auf Schnellwasser. Jaime ist 37 Jahre alt und wird als blond und gutaussehend beschrieben. Er ist der geborene Ritter, denn er ist ein sehr guter Krieger und gehorcht jedem Befehl. Das wird ihm auch zum Verhängnis, als er als Mitglied der Königsgarde den damaligen König Aerys II. tötet, den er schwor zu beschützen. Seitdem wird er trotz seiner edlen Herkunft geächtet und missbilligend als „Königsmörder“ bezeichnet. Darunter leidet er sehr, auch wenn er es nach außen hin nicht gerne zeigt. Für das, in dieser Reihe sonst so typische, intrigante Verhalten am Königshof hat er nichts übrig. Wenn er jemanden verachtet, zeigt er dies offen, sodass er stark arrogant wirkt. Für mich ist Jaime weder mein Lieblingscharakter, noch einer, den ich verabscheue, sondern eine interessante Figur, mit der ich allerdings nicht ganz so sehr mitfiebere, wie mit anderen.
Bevor ich überhaupt mit „Das Lied von Eis und Feuer“ begonnen habe, habe ich mich gefragt, inwiefern sich Buch und Serie unterscheiden. Das gilt auch für die Sexszenen, die es in „Game of Thrones“ zu genüge gibt. Die allererste war mit der Prostituierten Rose und Tyrion Lennister, im Buch war es aber Cersei mit Jaime. Um es schon einmal vorneweg zu nehmen: In der Serie gibt es deutlich mehr Sexszenen als im Buch. Pro Band finden sich etwa drei bis fünf Szenen, das toppt die Serie teilweise schon mit einer Folge, vor allem in den ersten Staffeln. Rose mit Tyrion, Doreah mit Viserys, Rose mit Theon, die lesbische Szene in Kleinfingers Bordell, Rose mit Pycelle (Rose ist gefühlt überall) Melisandre mit Stannis und natürlich noch weitere. Alle kommen in den Romanen so nicht vor. Dafür gibt es hier wenige Szenen, die nicht in der HBO-Serie auftauchen. Beispielsweise Catelyn, die unmittelbar nach dem Akt mit Eddard ihre Gefühle zu ihm reflektiert. Bei „Game of Thrones“ werden Sexszenen meist roh, emotionslos, triebhaft und fast schon pornografisch inszeniert. Bisher gab es in der Serie zwei konkrete Vergewaltigungen zu sehen, in den Büchern werden mehr beschrieben, wenn auch nicht sehr detailliert. Martin verwendet in der allermeisten Fällen ein sachliches, aber eindeutiges Vokabular. Das männliche Geschlechtsteil wird fast immer als „Männlichkeit“ bezeichnet, bei Frauen sind es die „unteren Lippen“. Für Sperma wird das Synonym „Samen“ verwendet. In der wörtlichen Rede kann es zu vulgäreren Ausdrücken kommen. Die Sexszenen finden oft tatsächlich zwischen Paaren statt, weshalb es in den Büchern emotionaler, leidenschaftlicher und weniger pervers wirkt, jedoch nicht erotisch. Die Charaktere bei „Das Lied von Eis und Feuer“ sind durchschnittlich jünger als in der Serie. Man darf also nicht vergessen, dass Daenerys gerade erst 13 Jahre alt war, als Khal Drogo sie geschwängert hat. Gerade die Beiden sind das perfekte Exempel für den Unterschied zwischen beiden Medien. In der Serie wirkt es so, als würde Khal Drogo Dany anfangs vergewaltigen. Erst später scheint sie daran Gefallen zu finden und sich sogar in ihn zu verlieben. In den Fantasyromanen ist Khal Drogo in der Hochzeitsnacht zwar bestimmt, aber trotzdem zärtlich zu Daenerys und legt Wert darauf, dass auch ihr der Akt gefällt. Das Paar tut es sogar einmal tatsächlich vor den Augen des gesamten Khalasars und es gibt Andeutungen darauf, dass Dany bei diesem Mal geschwängert wurde. Die längsten Sexszenen haben übrigens nie eine ganze Seite überschritten. Bisher am häufigsten passierte es zwischen Shae und Tyrion. Insgesamt gefällt mir die Darstellung in den Büchern besser, denn es gibt erstens weniger Szenen, die zweitens kürzer gefasst und drittens deutlich facettenreicher sind, beispielsweise kommt hier sogar eine kurze Masturbationsszene vor. HBO bedient sich sehr gerne an nackter Haut, vermutlich auch um Zuschauer zu gewinnen. Dabei sind mir persönlich die Szenen zu monoton und stumpfsinnig.
Natürlich möchte ich nie zu viel über die Geschichte preis geben, möchte aber auch beantworten, ob es zu einem spannenden Ende kommt. Da „Sturm der Schwerter“ nur die erste Hälfte eines Originalbandes ist, gibt es hier selbstverständlich kein klassisches Ende, es ist aber doch interessant zu sehen, wo der Verlag den Schnitt gesetzt hat. Die letzten beiden Erzählstränge gehören Jaime und Tyrion. Leider gibt es in keinem einen nennenswerten Cliffhanger, der wenigstens ein geringes Gefühl vom Ende eines Buches vermittelt hätte. Stattdessen hört es einfach mitten in der Geschichte auf, so wie es faktisch nun eben ist. Das ist der Nachteil, wenn ein Originalband in zwei Taschenbücher aufgespalten wird.

Fazit
Inzwischen stecke ich wirklich tief in der High-Fantasysaga und sie macht einfach kontinuierlich Spaß. Sie erfordert aber auch Konzentration und ist keine leichte Lektüre, die man nebenher lesen kann. Inhaltlich umfasst „Sturm der Schwerter“ in etwa die erste Hälfte der dritten Staffel. Der fünfte Band ist zwar kein Highlight, steht seinen Vorgängern aber auch in nichts nach. Deswegen vergebe ich hierfür vier von fünf Herzen. Als nächstes werde ich die Fortsetzung „Die Königin der Drachen“ lesen.

♥♥♥♥